Studien aus Finnland und Übersichtsarbeiten verbinden regelmäßiges Saunieren mit einem geringeren Risiko für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das sind Zusammenhänge, kein Beweis für eine Wirkung, und die Daten stammen vor allem von finnischen Männern. Für Gesunde gilt ein Saunagang in der Regel als verträglich; bei Herzerkrankung, Fieber oder Infekt fragen Sie vorher Ihren Arzt.
Ist Sauna gesund, und wie gut ist die Studienlage?
Ist Sauna gesund? Die Frage lässt sich nicht mit Ja oder Nein beantworten. Eine systematische Übersichtsarbeit von Hussain und Cohen aus dem Jahr 2018 wertete 40 klinische Studien mit zusammen 3.855 Teilnehmern zu regelmäßigem trockenem Saunabaden aus. Nur 13 davon waren randomisierte kontrollierte Studien, die meisten Studien waren klein. Die meisten berichteten günstige Effekte. Eine kleine Studie mit zehn Teilnehmern fand eine umkehrbare Störung der männlichen Spermienbildung. Die Autoren schließen, dass regelmäßiges Saunabaden mögliche gesundheitliche Vorteile hat, und fordern mehr und bessere Daten.
Die Barmer ordnet das ebenfalls vorsichtig ein: Die meisten Studien beziehen sich auf die finnische Sauna, und ausgeprägt waren die Effekte vor allem bei häufigem Saunieren. Dieser Ratgeber beschreibt deshalb Zusammenhänge und nennt sie so. Ein Heilversprechen leiten wir daraus nicht ab.
Wie wirkt die Sauna auf das Herz?
Die bekannteste Arbeit stammt von Laukkanen und Kollegen (JAMA Internal Medicine, 2015). Sie begleitete 2.315 Männer im Alter von 42 bis 60 Jahren aus Ostfinnland im Median 20,7 Jahre. Verglichen wurden Männer, die einmal pro Woche in die Sauna gingen, mit Männern, die zwei- bis dreimal oder vier- bis siebenmal gingen. Es gab keine Gruppe ohne Sauna.
Von den Männern mit einem Saunabesuch pro Woche starben im Beobachtungszeitraum 10,1 Prozent an einem plötzlichen Herztod, bei zwei bis drei Besuchen 7,8 Prozent und bei vier bis sieben Besuchen 5,0 Prozent. Nach Bereinigung um Risikofaktoren lag das Hazard Ratio für den plötzlichen Herztod bei 0,78 (95 % Konfidenzintervall 0,57 bis 1,07) für zwei bis drei Besuche und bei 0,37 (0,18 bis 0,75) für vier bis sieben Besuche. Ein Hazard Ratio unter 1 steht für ein niedrigeres Risiko im Vergleich zur Bezugsgruppe. Der Wert 0,37 entspricht rechnerisch einem um 63 Prozent niedrigeren Risiko. Beim ersten Wert schließt das Intervall die 1 ein; dort ist der Unterschied statistisch nicht gesichert.
Auch die Dauer zählte: Gegenüber Sitzungen unter 11 Minuten lag das Hazard Ratio für den plötzlichen Herztod bei 0,93 (0,67 bis 1,28) für 11 bis 19 Minuten und bei 0,48 (0,31 bis 0,75) für mehr als 19 Minuten. Die Autoren sprechen von einer Assoziation. Eine Beobachtungsstudie kann nicht belegen, dass die Sauna die Ursache ist; sie untersuchte zudem nur Männer aus Finnland. Die Autoren fordern weitere Studien zum Mechanismus.
| Arbeit | Teilnehmer | Befund (Assoziation, keine Ursache) |
|---|---|---|
| Laukkanen u. a., JAMA Internal Medicine 2015 | 2.315 Männer, 42 bis 60 Jahre, Finnland, im Median 20,7 Jahre | Plötzlicher Herztod bei 4 bis 7 Saunabesuchen pro Woche: Hazard Ratio 0,37 gegenüber einem Besuch |
| Zaccardi u. a., American Journal of Hypertension 2017 | 1.621 Männer ohne Bluthochdruck, im Median 24,7 Jahre | Neuer Bluthochdruck bei 4 bis 7 Saunabesuchen pro Woche: Hazard Ratio 0,54 gegenüber einem Besuch |
| Laukkanen, Laukkanen, Kunutsor, Mayo Clinic Proceedings 2018 | Übersichtsarbeit zu Beobachtungs- und Interventionsstudien | Hinweise auf geringeres Risiko für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen; Wirkmechanismen sind postuliert |
| Hussain und Cohen, eCAM 2018 | 40 klinische Studien, 3.855 Teilnehmer, 13 randomisiert | Meist günstige Effekte; mehr und bessere Daten nötig |
Quelle: Laukkanen u. a. 2015, Zaccardi u. a. 2017, Laukkanen u. a. 2018 und Hussain und Cohen 2018, jeweils nach den Zusammenfassungen in PubMed. Hazard Ratios aus den Originalen.
Was bewirkt die Sauna beim Blutdruck?
Im Saunagang steigen die Körpertemperatur um etwa 1 °C und der Puls auf etwa 120 bis 150 Schläge pro Minute, nach Angabe der Barmer vergleichbar mit einer kurzen, moderaten Sporteinheit. Die AOK nennt die Herzbelastung ähnlich der eines gemäßigten Trainings. Während des Gangs steigt der Blutdruck an; nach dem Saunieren liegt er laut Barmer unter dem Ausgangswert.
Eine finnische Kohortenstudie (Zaccardi u. a., 2017) begleitete 1.621 Männer ohne Bluthochdruck im Median 24,7 Jahre. 251 von ihnen (15,5 Prozent) entwickelten Bluthochdruck. Im Vergleich zu einem Saunabesuch pro Woche lag das Hazard Ratio bei zwei bis drei Besuchen bei 0,76 (0,57 bis 1,02) und bei vier bis sieben Besuchen bei 0,54 (0,32 bis 0,91). Nach weiterer Bereinigung betrugen die Werte 0,83 (0,59 bis 1,18) und 0,53 (0,28 bis 0,98). Die Autoren sehen einen Zusammenhang mit geringerem Risiko für Bluthochdruck.
Wer bereits Bluthochdruck hat, klärt die Sauna vorher mit dem Arzt. Die Barmer nennt unkontrollierten Bluthochdruck als Grund, nicht in die Sauna zu gehen, und rät bei niedrigem Blutdruck wegen der Ohnmachtsgefahr zur Vorsicht. Die AOK rät Menschen mit Herzschwäche, Erkrankungen der Herzkranzgefäße oder Bluthochdruck, nach dem Saunieren nicht schnell abzukühlen, etwa mit der Schwalldusche oder im kalten Becken.
Stärkt Sauna das Immunsystem, und hilft sie beim Abnehmen?
Ob regelmäßiges Saunieren vor Atemwegsinfekten schützt, ist nicht gesichert; die Studienlage ist dünn. Bei einer akuten Erkältung gehen Sie nicht in die Sauna; dazu steht der Ratgeber zur Sauna bei Erkältung bereit.
Für Entgiftung und Abnehmen gibt es nach der Barmer keine ausreichenden Belege. Beim Schwitzen geht nur Flüssigkeit verloren, die Sie ersetzen müssen.
Wie oft und wie lange ist Sauna gesund?
Die Studien vergleichen einen Saunabesuch pro Woche mit zwei bis drei und mit vier bis sieben Besuchen pro Woche. Die Barmer schreibt, dass die Effekte vor allem bei häufigem Saunieren ausgeprägt zu sein scheinen. Ob ein Besuch jeden Tag besser ist, zeigen die Studien nicht. Für einen einzelnen Gang nennen Barmer und AOK 8 bis 15 Minuten, die Barmer 2 bis 3 Gänge pro Besuch, die AOK höchstens drei. Genaueres steht im Ratgeber zur Häufigkeit.
Wer sollte nicht oder nur nach Rücksprache mit dem Arzt in die Sauna?
Die Barmer nennt diese Gruppen, die nicht in die Sauna sollten: Menschen mit akuten Infekten, Fieber oder akuten Entzündungen und mit akuten Herzbeschwerden, etwa wiederkehrender Brustenge, kürzlichem Herzinfarkt, unkontrolliertem Bluthochdruck, instabiler Herzschwäche oder schwerer Aortenklappenverengung. Bei niedrigem Blutdruck rät sie wegen der Ohnmachtsgefahr zur Vorsicht. Schwangere besprechen die Sauna vorher mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt. Bei Unsicherheit empfiehlt die Barmer, vorab eine Ärztin oder einen Arzt zu fragen, bei Herzbeschwerden eine kardiologische Abklärung. Alkohol meiden Sie vor und während der Sauna.
Die Goldenen Regeln für richtiges Saunabaden sagen es allgemein: Es gibt Erkrankungen, bei denen das Saunabad nicht empfohlen oder sogar untersagt werden muss. Anfänger mit gesundheitlichen Problemen sollten vor dem ersten Saunabad einen saunaerfahrenen Arzt aufsuchen.
Zu einzelnen Fragen, etwa zur Sauna nach einem Schlaganfall, bei Niereninsuffizienz oder bei Migräne, fanden wir keine belastbare allgemeine Empfehlung. Hier entscheidet Ihr behandelnder Arzt, der Ihre Befunde kennt.
Gilt das auch für Infrarotkabine und Dampfbad?
Die genannten Kohortenstudien betreffen die finnische Sauna. Die Barmer nennt für sie 80 bis 100 °C bei trockener Hitze, für das Dampfbad etwa 43 °C bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit und für die Infrarotkabine etwa 45 bis 65 °C. Das Dampfbad kann für Menschen mit Atemwegs- oder Herzerkrankungen belastend sein, die Infrarotkabine gilt als schonender. Vergleichbare Langzeitstudien zu Herz und Blutdruck für Infrarot oder Dampf nennen die Quellen nicht; nach Hussain und Cohen reichen die Belege nicht, um gesundheitliche Unterschiede zwischen finnischer Sauna und Infrarotkabine zu bestimmen. Bei jeder Erkrankung fragen Sie vor dem Saunabesuch Ihren Arzt.





