Ein Gartenbüro mit viel Glas und hartem Boden hallt, und schlechte Akustik im Homeoffice stört Videocalls und Konzentration. Für ein Ein- oder Zweipersonenbüro nennt die Unfallversicherung nach der Arbeitsstättenregel ASR A3.7 eine Nachhallzeit von höchstens 0,8 Sekunden und einen Grundgeräuschpegel von höchstens 40 bis 45 dB(A). Teppich und Absorber an der Wand senken den Hall deutlich; Glas und Schrankfronten werfen den Schall zurück.
Warum hallt ein Gartenbüro mit Glasfront?
Schall, der auf eine harte Fläche trifft, wird zurückgeworfen. Die DGUV beschreibt es für Büros so: Decke, Wände und Boden, aber auch Fensterflächen und Schrankfronten sind üblicherweise stark schallreflektierend, deshalb ist die Nachhallzeit in vielen Büros zu hoch. Große Fensterfronten und andere Glasflächen werfen als schallharte Flächen den größten Teil des Schalls zurück.
Die Nachhallzeit ist die Zeit, die vergeht, bis sich der Schalldruckpegel nach einem Schallereignis um 60 dB verringert hat. Bei langen Nachhallzeiten überlagern sich die Geräusche, und die Sprachverständlichkeit verschlechtert sich (DGUV). Bei Videocalls trifft das beide Seiten: Sie verstehen die anderen schlechter, und Ihr Mikrofon nimmt den Raumhall mit auf.
Hinzu kommt der Lombardeffekt. Ein hoher Hintergrundpegel führt dazu, dass Menschen lauter sprechen. Werden Hintergrundgeräusche durch raumakustische Maßnahmen verringert, sprechen sie leiser, und die Lärmbelastung nimmt ab (DGUV).
Welche Werte gelten für ein kleines Büro?
Für Beschäftigte regelt die Arbeitsstättenregel ASR A3.7 „Lärm“ die Anforderungen. Bei einem Telearbeitsplatz im Privatbereich gelten nach § 1 Absatz 3 der Arbeitsstättenverordnung nur wenige Vorschriften; die Regeln zum Lärm gehören nicht dazu. Für Ihr eigenes Gartenbüro sind die Werte der Unfallversicherung ein Maßstab, kein Gesetz.
Die Norm für Räume, in denen Sprache verstanden werden soll, ist die DIN 18041 „Hörsamkeit in Räumen“ (Ausgabe März 2016). Sie ordnet Büros der Gruppe B zu, den Räumen für Sprachverständigung auf kurze Entfernung. Die Norm ist kostenpflichtig; wir geben ihren Inhalt nicht wieder. Für Büros nennt die DGUV außerdem die VDI 2569 „Schallschutz und akustische Gestaltung in Büros“.
Die DGUV warnt auch vor dem Gegenteil: Ein Raum sollte nicht überdämpft und die Nachhallzeit nicht zu weit abgesenkt werden. Für ein Büro, in dem Sie allein sprechen und zuhören, ist das selten ein Problem.
| Größe | Richtwert | Gilt für |
|---|---|---|
| Nachhallzeit | höchstens 0,8 s | Ein- und Zweipersonenbüro, unbesetzt, Oktavbänder 250 bis 2.000 Hz |
| Nachhallzeit | höchstens 0,6 s | Mehrpersonen- und Großraumbüro |
| Grundgeräuschpegel | höchstens 40 bis 45 dB(A) | Büros |
| Beurteilungspegel | höchstens 55 dB(A) | Tätigkeiten mit hoher Konzentration oder hoher Sprachverständlichkeit |
| Beurteilungspegel | höchstens 70 dB(A) | Tätigkeiten mit mittlerer Konzentration, zum Beispiel mit Publikumsverkehr |
Quelle: DGUV Information 215-443 „Akustik im Büro“ (März 2021), Abschnitte 3.4 bis 3.6, und DGUV Information 215-410 (Juli 2019), Abschnitt 8.4.3. Die Werte gelten für Arbeitsplätze von Beschäftigten.
Wie stark hallt ein Raum von 3 × 3 Metern? Eine Überschlagsrechnung
Die Nachhallzeit lässt sich nach Sabine abschätzen: T = 0,163 × V / A. V ist das Raumvolumen in m³, A die äquivalente Schallabsorptionsfläche in m². Sie ergibt sich, indem man die Absorptionsanteile aller Raumoberflächen zusammenzählt (Baunetz Wissen); jede Fläche trägt ihre Größe mal ihren Schallabsorptionsgrad α bei. Die Absorptionsgrade stammen aus der DGUV Information 215-443, die sie nach Anhang G der DIN 18041 angibt.
Als Beispielraum nehmen wir 2,7 × 2,7 m Grundfläche und 2,50 m Höhe an, also 18,2 m³. Das ist eine Annahme, kein Maß eines KOYA Moduls. Eine Wand ist ganz verglast (6,75 m²). Die übrigen Wände, Decke und Boden setzen wir schallhart an, mit den Werten für Beton. Der Raum ist unbesetzt und leer. Die Tabelle zeigt die Nachhallzeit je Oktavband für vier Ausstattungen. Die Variante C belegt 4 m² der geschlossenen Wand mit einem porösen Absorber, die Variante D 8 m²; wir rechnen mit den Werten für Holzwolle auf Wand.
| Ausstattung | 250 Hz | 500 Hz | 1.000 Hz | 2.000 Hz |
|---|---|---|---|---|
| A: alle Flächen hart, eine Glaswand | 1,45 | 1,66 | 1,65 | 1,53 |
| B: A mit Teppichboden | 1,35 | 1,43 | 1,03 | 0,80 |
| C: B mit 4 m² Wandabsorber | 1,06 | 0,62 | 0,53 | 0,49 |
| D: B mit 8 m² Wandabsorber | 0,88 | 0,40 | 0,36 | 0,35 |
| Richtwert Ein- und Zweipersonenbüro | 0,8 | 0,8 | 0,8 | 0,8 |
Quelle: Eigene Rechnung nach Sabine mit Schallabsorptionsgraden aus DGUV Information 215-443, Tabelle 3 (Fenster, Beton, Teppichboden, Holzwolle auf Wand; nach DIN 18041, Anhang G). Möbel und Personen sind nicht berücksichtigt. Ein Überschlag, kein Gutachten.
Was zeigt die Rechnung, und welche Maßnahmen helfen?
Ohne Maßnahmen liegt die Nachhallzeit des Beispielraums bei 1,5 bis 1,7 Sekunden, doppelt so hoch wie der Richtwert. Ein Teppich hilft vor allem bei hohen Frequenzen. Das passt zur Aussage der DGUV, dass Teppiche im Wesentlichen hochfrequent wirken. Erst mit 4 m² Absorber an der Wand liegen die mittleren und hohen Frequenzen unter 0,8 Sekunden. Die tiefere Frequenz um 250 Hz bleibt auch mit 8 m² darüber.
Die Ursache liegt in den Absorptionsgraden: Holzwolle auf Wand absorbiert bei 250 Hz nur 17 Prozent des Schalls, bei 500 Hz dagegen 70 Prozent (DGUV, Tabelle 3). Tiefere Töne brauchen andere Absorber. Im tief- bis mittelfrequenten Bereich wirken Resonanzabsorber schon bei geringer Bautiefe, zum Beispiel Loch- und Schlitzabsorber, mikroperforierte Absorber sowie Platten- und Folienabsorber. Wer es genau braucht, lässt das Büro von einem Akustikplaner auslegen.
Diese Maßnahmen nennt die DGUV, jeweils mit ihrer Wirkung:
- Teppichboden oder Akustikteppich: absorbiert vor allem hohe Frequenzen. Linoleum und Teppichboden mindern außerdem den Schall beim Gehen.
- Vorhänge vor der Glasfront: Sie müssen in einem geeigneten Abstand zur Fläche hängen, und Faltung und Material beeinflussen die Wirkung. Für eine schallschirmende Wirkung braucht es schwere oder mehrlagige Systeme.
- Wandabsorber aus Faserplatten, Vlies oder Schaumstoff an geschlossenen Wänden: poröse Absorber mit breitem Wirkungsbereich.
- Mikroperforierte Akustikfolie vor Glas: In geeignetem Abstand zur Scheibe absorbiert sie Schall, es gibt sie transparent oder durchscheinend.
- Absorbierende Deckenleuchten und Deckensegel: Beleuchtung kann mit absorbierenden Materialien kombiniert werden.
Wie halten Sie Geräusche aus der Technik und von außen fern?
Die DGUV nennt als Maßnahmen gegen Lärm am Arbeitsplatz unter anderem lärmarme Arbeitsmittel und die räumliche Trennung von Arbeitsplatz und Lärmquelle. Der Beurteilungspegel soll auch die von außen einwirkenden Geräusche berücksichtigen. Auch Geräusche weit unter den Grenzwerten können lästig sein und Konzentration, Entscheidungszeiten und Sprachverständigung beeinträchtigen. Beim Kauf von Geräten ist ein geringer Schallleistungspegel zu bevorzugen.
Im Gartenbüro heißt das: Fragen Sie bei Rechner, Drucker und Klimagerät nach der Lautstärke. Bei Klimageräten nennt die Verbraucherzentrale den Schalldruckpegel auf dem Energielabel. Innengeräte fest installierter Split-Geräte sind oft sehr leise, das Außengerät kann deutlich lauter sein. Co2online schreibt, Monoblock-Geräte könnten mehr als 60 Dezibel erreichen, die Lautstärke eines Gesprächs. Stellen Sie das Außengerät so, dass es weder Sie noch den Nachbarn stört.
Was sollten Sie vor dem Kauf klären?
Diese Punkte entscheiden über die Akustik Ihres Gartenbüros:
- Welche Flächen schallhart sind: die Glasflächen, der Boden, Schrankfronten.
- Welchen Bodenbelag Sie wählen und ob ein Teppich unter den Schreibtisch kommt.
- Ob Wandabsorber vorgesehen sind und welchen Absorptionsgrad sie je Oktavband haben. Der Einzahlwert αw ist nach der DGUV für die Planung nicht geeignet.
- Ob vor der Glasfront ein Vorhang oder eine Akustikfolie möglich ist.
- Wie laut Klimagerät und Technik sind und wo das Außengerät steht.
- Welche Nachhallzeit Sie anstreben: für ein Büro mit einer Person höchstens 0,8 Sekunden.





